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Selbstreflexion & Selbstkritik als Leitfaden zum Erfolg

goldy chiara

Foto von Chiara Brülisauer

 

Immer wieder erhalte ich Nachrichten mit der Frage: „Wie kriegst du das mit deinen Pferden hin?“. Sie sehen meine Arbeit und die unbeschwerten Spielstunden und fragen sich, wie das möglich sein kann. Deshalb werde ich die folgenden Worte dazu verfassen und euch zeigen, dass dies jedem möglich ist.

Mein wohl wichtigster Grundsatz ist, dass ich anpassungsfähig bin. Nicht das Pferd hat sich mir anzupassen – sondern ich habe mich ihm anzupassen. Mag das Pferd nur lange Ausritte, dann lege ich das Hauptaugenmerk auf das Gelände. Mag es, im Gegensatz zu mir, lieber Dressur, verzichte ich grösstenteils auf das Springreiten. Mag es momentan keinen Reiter auf dem Rücken tragen, so wird auch auf dies verzichtet. Ihr denkt euch jetzt vielleicht, dass ihr dies nicht mit euch vereinbaren könnt, da ihr Sportreiter seid. Doch glaubt mir, und ich lege es euch wirklich ans Herz, ihr müsst keine Sekunde auf etwas verzichten. Sobald ihr euren Ehrgeiz ablegt, um euch selbst und dem Umfeld zu gefallen, werdet ihr Zugang zu eurem Pferd finden.

Die Pferdeseele ist etwas sehr besonderes. Sie wirkt weise, gutmütig, aufopfernd und doch wird dieser innere, sensible Kern begleitet von ihrer unantastbaren Würde und rigorosen Konsequenz. Ihr inneres Bewusstsein sehnt sich nach Anerkennung, dennoch möchten sie keine leistungsabhängige Liebe vom Menschen, sondern eine bedingungslose Verbundenheit. Genau dies ist der tiefgreifende Faktor vieler Problematiken zwischen Pferd und Reiter. Ich möchte, dass ihr jetzt ehrlich zu euch seid und über diese Punkte reflektiert. Nur eine aufrichtige Selbstreflexion bringt euch im Umgang mit Menschen, oder eben auch Tieren, weiter. Auch ich tat es und bemerkte damals vor gut 10 Jahren, dass meine Liebe zu Welldone nicht echt ist. Sie war abhängig von seinem Verhalten und seiner Leistungsbereitschaft. Er stand mir im Weg zum sportlichen Erfolg und verletzte mich physisch, womit er in dieser Zeit, in meinen Augen, meine aufrichtige Liebe nicht verdiente. Es war wirklich erschreckend und aufwühlend mir einzugestehen, dass ich zu dieser Zeit meinem anscheinend geliebten Welldone seelisches Leid zufügte. Dies verkörperte sich in Taten wie Druck, Erwartungshaltungen und Unzufriedenheit bei unerwünschtem Verhalten. Manchmal wird dies einem selbst zu spät bewusst und man hat schon den aussichtslos vorkommenden Tiefpunkt erreicht, hadert mit sich selbst und überlegt sich einige Auswege des Debakels. Oftmals folgt daraufhin ein Verkauf des Pferdes und hier möchte ich nochmals deutlich machen, dass ich diese Entscheidung nicht missbillige. Ist der Pferdebesitzer nämlich davon gänzlich überzeugt, dass eine weitere Zusammenarbeit mit dem Pferd unmöglich ist, empfinde ich einen Verkauf als eine faire Chance für das Pferd, ein liebendes Zuhause zu finden.

Dennoch gehen wir davon aus, dass man sich gegen den Verkauf entscheidet und sich für das Pferd ändern möchte. Falls ihr diesen Weg einschlägt, verspreche ich euch eine unvergessliche Reise zu euch selbst. Nicht nur der Charakter, sondern auch der Umgang mit seinem Mitmenschen verändert sich dadurch gravierend. Es ist ein mühseliger Weg, begleitet von immer wieder ausbrechender Wut und Trauer über die fehlenden Erfolge. Doch geht ihr eisern diesen Pfad balanciert den Klippen entlang und fasst das gelb strahlende Licht am Ende dieser Reise ins Auge, dann werdet ihr Momente der Liebe und Glückseligkeit erleben, welche sich andere nicht mal im Traum vorstellen können.

Ich tat dies damals und noch heute, schliesslich ist das ganze Leben eine grosse wundervolle Reise. Meine ersten Massnahmen galten meinem Ehrgeiz, woraufhin ich das Training vorerst einstellte. Die gemeinsame Zeit galt nur noch der Freude, Verbundenheit und dem Genuss mit dem Tier. Ich fing an, meine Pferde zu sehen, und damit meine ich nicht das übliche Sehen mit dem Auge, sondern Sehen mit Herz und Geist. Ich blicke meine Pferde jeden Tag an, schaue ihnen in die Augen und erspüre ihren Gemütszustand. Unabhängig davon ob ich am Ausmisten bin, im Sattel sitze oder einfach neben ihnen hergehe. Mit der Zeit bekommt man einen geschulten Blick für ihre emotionale Verfassung und auch eine sich stetig verändernde Haltung gegenüber der momentanen Aktivität. Somit arbeite ich solange ohne Druck, bis ich mich vom Pferderücken schwingen kann, ohne einen tieftraurigen Blick meiner Pferde zu erwarten.

Des Weiteren schätze ich jedes Pferd an sich, gleichgültig welches Talent und Aussehen sie besitzen. Ich arbeite ihre Talente heraus und fördere diese, aber dies soll nicht heissen, dass ich ihre Schwachstellen vernachlässige. Vorerst wird eine gesunde Basis mittels Motivation und Freude erschaffen, erst dann werden langsam die fürs Pferd weniger erfreulichen Unternehmungen gesteigert. Schlussendlich merken die Pferde, dass der Mensch gegenüber ihnen nur Gutes tun möchte und die Freundschaft nicht langfristig unter ihren ,Unarten’ leidet. Sobald ihr das verinnerlicht und eure Pferde das wahrnehmen können, werdet ihr das Unmögliche möglich machen können.

Egal welche Probleme euch im Umgang mit den Pferden begleiten, das Pferd hat immer seine Gründe dafür. Kein Tier auf dieser Welt ist grundlos bösartig oder möchte euch einfach so schikanieren. Die Lösung kann in ihrer Vergangenheit liegen, aber auch in eurem momentanen Umgang mit ihnen.

Auch werden unsere Pferde oft von uns als Therapeuten missbraucht. Glaubt mir – sie spüren jede kleinste emotionale Regung in euch und lassen sich niemals täuschen. Damit meine ich auch eure verdrängten Probleme, welche ihr aus Gewohnheit nicht mehr wahrnimmt und schon einen tiefverwurzelten Teil in euch geworden sind. Ihr müsst diese Gefühle im Umgang mit ihnen loslassen und sie nicht andauernd als eure Therapeuten missbrauchen. Sie leiden und fühlen jede Sekunde mit euch und tief im Inneren wisst ihr das schon lange. Unsere Bürden sind nicht ihre Bürden. Schaltet euren Kopf ab, albert mit Ihnen rum und bringt euch beiden Freude ins Leben. Und ich spreche nicht von einer scheinheiligen Welt, wir sind Menschen und haben uns nicht immer im Griff. Jeder hat seine schlechten Tage und möchte am liebsten sein tränenüberströmtes Gesicht ins tröstende Fell des besten Freundes drücken. Das soll man auch und ist behilflich dabei, die negativen Gefühle loszuwerden. Sie helfen einem von Herzen gerne und wollen euch glücklich machen. Aber ich spreche von tagtäglichem Ballast über lange Zeit, welche ihr unbemerkt auf die unschuldige Pferdeseele überträgt.

Hoffentlich konnte ich eure Gedankengänge anregen und euch dabei motivieren, Unzufriedenheiten eurerseits zu beseitigen. Ich spreche aus Erfahrungen, die ich durch drei verschiedene Pferde machen durfte und wirklich Grosses bewirkten – selbst wenn die Schritte zu Beginn noch so klein wirken. Traut euch und ihr werdet eurem Durchhaltewillen dankbar sein, denn diese erlebten Erinnerungen kann euch niemand wegnehmen. Dank all den Höhen und Tiefen, wird euch dies unheimlich mit eurem Pferd verbinden.

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