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Meine Pferdefütterung

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Die Folgen falscher Fütterung sind gravierend. Kaum etwas ist mehr gefürchtet unter den Reitern, als eine Kolik oder Hufrehe. Oft liegt es an einer falschen Ernährung, dies kann aber verschiedene falsche Ansätze haben. Oft meinen wir Menschen es zu gut mit unseren Pferden, stellen Ihnen die schmackhaftesten Müslis mit verschiedenem Zusatzfutter darin zur Verfügung. Schlussendlich läuft uns das Wasser im Mund mehr zusammen als all den Pferden. Wir selbst haben seit Februar unseren Quarter Horse-Wallach und ein Shetlandpony Wallach im eigenen Stall stehen. Wir managen dies ganz alleine und die Futtergelegenheit lag mir immer sehr am Herzen. Die Pferdefütterung ist eine Wissenschaft für sich und ich weiss bestimmt kaum einen Bruchteil davon.  

Meiner Meinung nach setzten viele Reiter die Schwerpunkte bei der Pferdefütterung an der falschen Stelle an. Sie kippen literweise Müsli in die Krippe, zu wenig Heu und bewegen das Pferd nicht der Futtermenge entsprechend. Unter uns Reitern sind wenige im hohen Sport dabei, sondern mehr freizeitmässig unterwegs und trainieren nur ab und an. Seid ehrlich zu euch selbst, habt ihr jemals die Inhaltsangaben des Pferdefutter welches ihr verfüttert, studiert? Was Mais, Gerste, Luzerne und all die anderen Komponenten im Pferdekörper bewirken? Auch ich habe mich jahrelang nicht darum gekümmert und die Stallbesitzer einfach machen lassen. Doch das hat sich inzwischen geändert und ich habe mir einen gewissen Anteil an Wissen angeeignet, um meinen Pferden das bestmögliche bieten zu können.  

Ich glaube, dass ich kaum noch Übersicht über die verschiedenen Pferdefutterprodukte habe. Gerne möchte ich euch kurz und bündig die bekanntesten Komponenten vorstellen. 

Hafer; Dies gilt als einer der gesündesten Getreide überhaupt für Mensch und Pferd. Es ist glutenarm und hat einen beachtlich grossen Anteil von essentiellen Aminosäuren. Proteine bestehen aus essentiellen und nicht essentiellen Aminosäuren. Letzteres kann vom Körper selbst hergestellt werden und die essentiellen sollten zuegfüttert werden. Sie sind sehr wichtig für den Transport und der optimalen Speicherung der Nährstoffe. Ebenfalls enthält es Mineralstoffe wie Calcium, Phosphor (beide wichtig für die Knochen), Magnesium (wichtig für die Muskeln), Natrium und Kalium (wichtig für den Wasserstoffhaushalt). Auch Vitamine wie Vitamin E und Vitamin B sind neben Spurenelementen wie Zink und Selen enthalten. Dieses Getreide hat überdurchschnittlich viel dünndarmverdauliche Stärke und eine Energiebilanz von 10.5 MJ pro Kilo. Die Verdaulichkeit von Hafer liegt bei 84%. 

Mais; Dieser Komponent enthält 15-20% mehr Stärke (12.8 MJ) als Hafer und ist somit viel energiereicher. Der Unterschied zum Hafer ist, dass er um 15% weniger Eiweiss enthält, somit eiweiss- und rohfaserarm. Damit Pferde ihn im Dünndarm verdauen können, muss man ihn thermisch aufbereiten, da die Maisstärke für Pferde schwer verdaulich für ist. Somit ist Mais für alte oder dünne Pferde eine gute Alternative um aufzufüttern. Die Verdaulichkeit von Mais liegt bei 29%. 

Gerste; Mit 11.9 MJ pro Kilo ist es auch energiereicher als Hafer. Ebenfalls ist es schwerverdaulich für unsere Pferde und belastet den Darm, deshalb ein häufiger Auslöser von Hufrehe. Auch dieses Getreide muss bestenfalls thermisch aufgeschlossen werden. Die Verdaulichkeit von Gerste liegt bei 22%.  

Luzerne; Gegenüber anderen Getreiden, hat Luzerne wenig Zucker und Stärke, somit einen niedrigen Energiegehalt. Es liefert viel Calcium, Magnesium und wenig Phosphor. Ebenfalls enthält es reichlich an Vitamin A (gut für Haut & Schleimhäute), Vitamin B (Immunabwehr) und Vitamin D (Knochenaufbau). Luzerne sind bekannt dafür, dass sie gerne mal Magengeschwüre auslösen und werden somit in Pellets oder Cobs verfüttere. Natürlich muss man erst mal einen guten Pferdefutteranbieter finden, schliesslich ist dieser Markt übersättigt mit Produkten und Anbietern. Danach sollte man sein Pferd gründlich studieren und dementsprechend Futter kaufen.  

Melasse; Es gibt Zuckerrüben-, Zuckerrohr- und Zuckerhirsemelasse. Man findet 42% Zuckeranteil in der Melasse. Es ist nicht nur schmackhaft für die Pferde, sondern beinhaltet auch Nährstoffe wie Kalzium, Phosphor, Eisen, Magnesium und Kalium. Um eine staubfreie Fütterung zu garantieren, sind Pellets oder Cobs ein gerngesehene Variante um die Atemwege der Pferde nicht zu belasten. Nur können diese ohne Melasse nicht hergestellt werden. Bei diesem Komponenten sollte man großen Wert auf die Menge legen.  

 

Erstmals habe ich mir Gedanke über die benötigte Energiezufuhr meiner Pferde gemacht. Django, unser Shetlandponywallach wird 4-5x die Woche bewegt an der Hand oder als Handpony. Somit braucht er kaum Energie und ist immer genügend rund. Meine Warmblüter musste man im Winter ein wenig rund füttern aber nicht energiereich und im Sommer das Gegenteil. Goldy, unser Quarter Horse ist im Wachstum und wird 4-5x pro Woche leicht bewegt. Dazu standen alle immer im Offenstall und brauchen somit mehr Energie als ein Boxenpferd.  

Mein grosser Favorit unter den Getreidesorten ist Hafer. Obwohl ich blütige Pferde habe, wurden sie nie ‚heiss‘ davon. Dies war nämlich mein grösstes Bedenken bei der Umstellung von Müsli auf reines Hafer. Die Warmblüter brauchten im Sommer mehr Energie und somit gab ich Ihnen maximal einen Liter Hafer am Tag. Goldy bekommt nicht mal einen halben Liter Hafer am Tag, da er viel ‚peppiger‘ ist und nicht viel zusätzliche Energie braucht. Natürlich ist ebenfalls ein Faktor, dass er altersgemäss nicht geritten wird und dies später angepasst werden muss. Django bekommt nichts an Kraftfutter, ausser ein paar Krümel um die Futterzusätze schmackhaft zu machen.  

Dazu füttere ich allen ein ausgewogenes Mineralfutter und Biotin für Haar und Hufe. Im Fellwechsel mische ich gerne Leinsamen dazu, um sie dabei zu unterstützen. Mash mache ich 1-2x in der Woche, nicht nur weil sie es lieben sondern auch um ihren Magen-Darmtrakt zu unterstützen. Meine Pferdeleckerlies hole ich aus unserem Garten. Manchmal zupfe ich Zitronenmelisse (zur Unterstützung von Verdauung und Nerven), Pfefferminze (wirkt entblähend, Krampflösend, Schmerzlindernd, Verdauungsfördernd, Gallenflussfördernd und Schleimlösend) oder Rosmarin (gut für Magen, Darm, Leber und Galle) aus und verteile sie im Offenstall. Selten gibt es auch Äste von unseren Obstbäumen, wie Kirsch-, Pflaumen-, Apfel- und Aprikosenbaum. Natürlich werfe ich auch ihre Früchte mal dazu um ihnen das Süße nicht vorzuenthalten, aber immer entsteint. Nicht zu vergessen ist unsere Heufütterung in zwei Heuboxen mit Heunetz und einem hängenden Heunetz, welche immer gefüllt sind. Dazu lasse ich sie zwischen 6 – 24h auf die Weide und bin begeistert wie sie das ganze nach Bedarf lösen. Salz- und Mineralleckstein sind auch vorhanden und meine nächste Errungenschaft wird ein kleiner Baumstamm sein, damit sie daran herumnagen können. Meine gewählte Produkte sind von mäkligen wie auch von anspruchslosen Pferden gerne gefressen geworden. Bei den Kräutern und Ästen wurde es schon schwieriger mit dem Zufriedenzustellen.  

Schlussendlich hört es sich nach vielen Extras an, doch füttere ich nur Hafer, Biotin, Mineralstoffe und Heu regelmäßig. Alles andere mache ich nach Lust und Laune, da ich diesen Fütterungsstress nicht willkommen heißen möchte. Mit diesem Blogeintrag möchte ich euch zum Nachdenken anregen, dass ihr euch nicht von zu vielen Produkten mitreißen und die Devise weniger ist mehr gelten lässt. Werft ein Auge auf die Inhaltsangaben, den Gesundheitszustand eures Pferdes und auf die Melasse in den Müslis. Leider gibt es kein Rezept für die perfekte Pferdefütterung und somit lässt sich das Ausprobieren nicht vermeiden. Jedes Pferd verwertet das Futter anders, hat seine körperlichen Baustellen und mag natürlich auch nicht jedes Produkt gleich. Doch lasst euch nicht entmutigen beim Ausprobieren von verschiedenen Produkten! Natürlich würde ich mich freuen zu erfahren was ihr euren Pferden füttert oder welche Probleme bezüglich Futter bei euch anstehen, somit kommentiert unentwegt mit Infos, Bedenken und Ideen.  

 

Da ich schon seit Jahren von Marstall unser Pferdefutter beziehe, verlinke ich euch gleich die Produkte: 

Hafer;  

https://www.marstall.ch/de/online-shop/produkte/einzelkomponenten/hafer-gewalzt-detail.html 

Mineralstoffe; 

https://www.marstall.ch/de/online-shop/produkte/vitamine-mineralstoffe/force-multivital-konzentrat-detail.html 

Biotin; 

https://www.marstall.ch/de/online-shop/produkte/haut-haare-hufe/biotin-detail.html 

Leinsamen; 

https://www.marstall.ch/de/online-shop/produkte/verdauung/leinsamen-aufgeschlossen-detail.html 

Mash; 

https://www.marstall.ch/de/online-shop/produkte/mischfutter/spezialfutter/mash-detail.html 

Dieser Blog enthält Werbung durch Markennennung 

3 Kommentare

  1. Christina

    Hallo Laura,
    mein Pferd ist durch die Vorbesitzerin leider etwas abgemagert.
    Ich fuettere daher Hafer,Mais und Luzerne 2xtgl. Da mir die Menge und das Volumen etwas wenig scheint und er nicht wirklich zunimmt, bekommt er noch 1x tgl eine kraeftige Portion Heucobs aufgeweicht.
    Seit einigen Wochen bekommt er jetzt auch Mineralfutter, dass er vorher leider auch nicht bekam.
    Heu hat er auch eig 24 Std zur freien Verfuegung.
    Was haelst du von dieser zusammensetzung
    Lg Chrissi

    • Laura Spuhler

      Hallo Christina
      Mir erscheint dein Fütterungsplan sehr vernünftig.
      Dickmacher wären ansonsten noch Öle, falls du dies ausprobieren magst!

      Viele liebe Grüsse,
      Laura

  2. Hallo Laura,

    erstmal: ein schöner Blogbeitrag von dir! Meine Stute ist auch sehr leichtfuttrig und bekommt nur das Alpengrünmüsli und das Mineralfutter von Agrobs, dazu hin und wieder Hagebutten, „Hufkräuter“ oder Teufelskralle/Ingwer um sie bei ihrer Verknöcherung zu unterstützten. Ich persönlich lege sehr viel Wert auf eine getreidefreie Fütterung. Das war nicht immer so, als sie 1 Jahr alt war, hat sie auch viel Hafer bekommen (damals war ich so jung und habe mich „bequatschen“ lassen) und davon war sie einfach zu dick, war super empfindlich und hatte hin und wieder eine Kolik. Als ich dann die Fütterung umgestellt habe, ging es ganz gut. Das Mineralfutter von Marstall hatte ich auch mal getestet, da das Agrobs recht teuer ist, aber leider ging es ihr damit nicht so gut (Holz angefressen, schlechtes Fell, schlechter Allgemeinzustand) und so bin ich wieder zu Agrobs gewechselt. Damit sieht sie am besten aus und dann ist mir der Preis erst recht viel Wert, auch weil davon nur wenig gefüttert werden muss. Im Winter habe ich auch schon Heucobs dazugefüttert und im Fellwechsel oder wenn sie mehr Energie brauchte, auch Leinöl (aber auch nur 10 ml/Tag, da sehr leichtfuttrig). Nun ja, das Wichtigste ist definitiv die Basis und die bleibt nunmal Heu. Dazu steht sie im einem Stall mit 24 Stunden Heu und so ist sie deutlicher entspannter! Richtige Heufütterung bewirkt so viel, das Gegenteil gibt es leider zu häufig (leider selber miterlebt). Sehr interessant finde ich deine Leckerlialternativen, das werde ich mir auch mal genauer anschauen. Bedenken hätte ich bei dem Aprikosenbaum, aber das muss ja jeder für sich wissen. Sonst ein sehr toller Blogbeitrag! Liebe Grüße, Vanessa

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